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16. März 2026

Zum Tod von Alfred J. Noll

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Foto: Karo Pernegger
MHW trauert um einen wunderbaren Freund, Mitgründer und Gesellschafter.
 
Alfred J. Noll war einer der Klügsten, die überhaupt vorstellbar waren, wenn es darum ging, das Menschliche mit höchstem juristischem Wissen, das er als Werkzeug verstand, mit philosophischer Ideengeschichte, der seine Leidenschaft galt, und politischer Einordnung, die ihm besonders wichtig war, zu verbinden. Er konnte die Sachverhalte dann auf den Punkt bringen, in wenigen Worten, aus dem Stegreif, allenfalls druckreif. Mit großer Freundlichkeit, bei Bedarf auch erfrischend gnadenlos direkt.

Medienhaus Wien verliert mit Alfred einen der Mitbegründer und Gesellschafter. Vor allem aber einen ganz engen Freund für viele von uns. Er war vielfach Autor wissenschaftlicher Texte, Planer gemeinsamer Studien oder auch neuer Studiengänge, stellte uns juristische Leitplanken auf und gab Rat, wenn vonnöten, er war vor allem Inspirator, Motivator zum Nachdenken.

Die biografischen Eckdaten bleiben stets unzulänglich. Alfred war ja eigentlich Radio- und Fernmeldetechniker mit schulischer Ausbildung in Salzburg, ehe es ihn in die Juristerei auf der dortigen Uni verschlug. Die Disziplin war für ihn, wie wir gelegentlich besprachen, ja nur Werkzeug, um über die Welt nachzudenken und ihre Instrumentarien zu nützen, um sie besser verändern zu können.  In Vorlesungen ging er selten. Er las. Und bestand Prüfungen dann brillant.
In Wien war er ab 1983 am Institut für Höhere Studien als Soziologe, um danach die juristische Laufbahn wieder aufzunehmen, nach Konzipientenjahren ab 1992 mit eigener Kanzlei. Seine ersten Schwerpunkte des Medien- und Urheberrechts, seine Vertretungen für jene Medien und Menschen, die er dabei für anständig hielt, oft genug dann auch ganz unbezahlt, weil es ja richtig war, machten ihn zu einem der wunderbaren und wahrlich Wissenden des Metiers. So lernten wir einander kennen. In jenem „redaktionslehrgang magazinjournalismus“ des profil, der Ausgangspunkt vieler journalistischer Karrieren ab 1996 war, lehrte er Medienrecht. Gemeinsam gründeten wir dann 2005 Medienhaus Wien, weil uns so viel fehlte, was endlich in Forschung, Lehre und auch publizierend zur Journalismusentwicklung zu tun wäre.
An der Universität für Bodenkultur erhielt Alfred, als Lehrender des öffentlichen Rechts, so nebenher 2013 eine verdiente Professur. Wenig danach, 2016, wurde ihm der Staatspreis für Kulturpublizistik verliehen.

Vor allem aber war er Denker. Bildlich vielleicht sogar manchmal wie bei Rodin, aber zugleich so gar nicht in Stein gehauen, sondern immer bewegt. Walther Rode haben wir etwa über ihn dann (wieder) entdeckt. Den streitbaren Juristen und Publizisten im Widerstand gegen jegliche obrigkeitliche Willkür, den Alfred J. Noll nach dessen Flucht in die Schweiz, Vertreibung im Austrofaschismus und Verbrennung durch die Nazis im 21. Jahrhundert wiederfand und neu publizierte. Walther Rode war dann der passende Namensgeber jenes Preises für widerborstigen Journalismus, den Medienhaus Wien seit 2011 auf Alfreds Anregung vergibt.

Seine formalen Funktionen lassen wir hier weitgehend aus, die viele Hilfe für die österreichische Filmwirtschaft, Sponsoring fortschrittlicher publizistischer Projekte, Unterstützung von Kulturprojekten, zuletzt auch im Aufsichtsrat der Wiener Festwochen. Wir überspringen seine Episode von 2017 bis 2019 im Parlament als Abgeordneter der Liste Jetzt. Es war, wenn wir sprachen, eine für einen so Erfahrenen immer noch lehrreiche, wiewohl auch oft unbefriedigende. Er wollte mehr als diesbezüglich Besessener, was Parlamentarismus hergeben sollte. Die rhetorische und theoretische Qualität seiner Reden im Haus ist in den Protokollen nachzulesen.
Danach haben wir mehr über Thomas Hobbes und andere Philosophen geredet, die, wie er fand, neu zu übersetzen und interpretieren wären. Die Abrechnung mit Martin Heidegger war da schon wieder ein paar Jahre her.

Manchmal haben wir ihn gleich verstanden, weil es eine einfache Reise war – beim Lunch im Wirtshaus in der Gasse seiner Kanzlei in der Innenstadt. Manchmal musste er uns bei der Hand nehmen, damit wir um die richtige Ecke von Hegel und Kant biegen.

Alfred vertrat als Jurist, obwohl er solcherlei ökonomisch längst nicht mehr notwendig hatte, weiterhin Medien mit Überzeugung, wie etwa den Falter. Dessen Gründer und Herausgeber Armin Thurnher hat aus diesem unendlich traurigen Anlass Erinnerungen an den gemeinsamen Freund zusammengefasst.

Wir alle verlieren diesen wunderbaren Freund. Unsere Anteilnahme ist bei seiner Frau und seinen Töchtern.  Wir sind sehr, sehr traurig.
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